Ressort – Jojo Times https://jojotimes.de Die digitale Schülerzeitung des Johanneums Tue, 01 Sep 2026 18:07:58 +0000 de hourly 1 https://jojotimes.de/wp-content/uploads/2023/10/cropped-photo-32x32.jpg Ressort – Jojo Times https://jojotimes.de 32 32 Rechts auf der Karte – Probestudium in Magdeburg https://jojotimes.de/2026/09/01/rechts-auf-der-karte-probestudium-in-magdeburg/ https://jojotimes.de/2026/09/01/rechts-auf-der-karte-probestudium-in-magdeburg/#respond Tue, 01 Sep 2026 15:15:18 +0000 https://jojotimes.de/?p=1377 ,,Magdeburg, ist das nicht voll die Nazistadt?”


Diese Frage kommt als erstes auf, als ich erzähle, dass ich für ein eintägiges Probestudium nach Magdeburg
fahren werde. Dort möchte ich gemeinsam mit meiner Freundin die Hochschule H2 Magdeburg-Stendal
besser kennenlernen, spezifisch den Studiengang Journalismus. Als die Hochschule auf einer Messe
vorgestellt wurde, hatte ich mir erstmal keine Gedanken darüber gemacht, dass Magdeburg die Hauptstadt
des neuen Bundeslandes Sachsen-Anhalt ist, und sich damit in einem der Länder befindet, in denen die AfD
momentan klar auf dem Vormarsch ist.


Denn bestimmt sind Großstädte, vor allem Unistädte, eher liberaler eingestellt, oder? Und weder meine
Freundin noch ich waren vorher jemals in Magdeburg. Warum also nicht einer neuen Stadt mit einem
interessanten Studiengang eine Chance geben?


Wir machen uns also an einem Dienstagmorgen um fünf auf den Weg zur Hochschule, damit wir ja pünktlich
sind. Was unsere Erwartungen an das politische Klima dort angeht, sind wir vorbelastet. Das merkt man schon
daran, dass wir bei der ersten Sichtung eines ,,Willkommen in Sachsen-Anhalt!” Schildes sofort darüber
witzeln, dass wir uns ab jetzt besser nicht an der Hand halten oder die Zahlen ,,161” aneinanderreihen sollten.
Trotz dieser zugegeben eher nicht ernst gemeinten Bemerkungen schwingt ein gewisser ernster Unterton mit.
Wir wissen, dass die AfD in den östlichen Bundesländern deutlich besser abschneidet als zum Beispiel bei uns
in Niedersachsen. Wir kennen Videos aus dem Internet, in denen sich selbst als ,,Ossis” bezeichnende
Menschen teils rechtsextreme Inhalte verherrlichen, reproduzieren oder selbst in die Welt setzen. Wir kennen
beispielsweise die Videos von Webvideoproduzent und Aktivist Marcant, der auch immer wieder im Osten
Deutschlands auf Demonstrationen mit rechten Jugendlichen das Gespräch sucht- mal mehr, mal weniger
erfolgreich. Und wir wissen: die Bedrohung von rechts ist real.


2025 zählt der Landesverfassungsschutz von Sachsen-Anhalt mit 7.310 Personen in sogenannten
verfassungsfeindlichen Zusammenschlüssen einen Anstieg von 19,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dieser
Zuwachs würde sich vor allem im Bereich Rechtsextremismus zeigen. Seit Oktober 2023 ist der
Landesverband der AfD in Sachsen-Anhalt gesichert rechtsextremistisch- und trotzdem ist die AfD dort
momentan stärkste Kraft. Dazu später mehr.


Nachdem wir uns hastig und ohne wirkliche Möglichkeit, zuerst einen Überblick von der Stadt zu
verschaffen, an der Hochschule ankommen, werden wir freundlich empfangen. Eine dort tätige Frau erzählt
uns, sie komme selbst aus Lüneburg und sei am Gymnasium Oedeme zur Schule gegangen- das Johanneum
kennt sie auch. Das erste Mal kommt das Thema Rechtsextremismus wieder zur Sprache, als uns in einem
der Seminarräume eine Einführung in den Studiengang Journalismus gegeben wird.


Eine Lehrende redet mit uns über die Wichtigkeit von journalistischer Arbeit, vor allem auch die Kritik, die
diese übt- und dann davon, dass die AfD gerne ,,selbst mit der Bevölkerung sprechen” würde, und den
Umweg über Journalisten gerne vermeiden würde. Dadurch, dass vorher die Wichtigkeit von kritischen
Nachfragen herausgestellt wurde, werden hier die AfD und ihre Ziele kritisiert.


Ein weiteres Mal kommt das Thema zur Sprache, als wir eine Studierende geradeheraus fragen, ob es hier
viele Rechtsextreme gäbe. Sie spricht davon, dass man natürlich erstmal in seiner Studentenbubble sei und
dort von rechts wenig zu merken sei. Allerdings müsse man schon bedenken, dass Magdeburg nicht Hamburg
oder Berlin sei, was das angehe. Man müsse aber auch keine Angst haben, direkt auf der Straße angefeindet
zu werden.


Dazu muss angeführt werden, dass wir uns im Gespräch mit einer weiß gelesenen Person befinden. Für
Menschen, die dieses Privileg nicht haben, sieht die Lage wie so oft anders aus. Vor allem seit dem Anschlag
auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt 2024 hat die Zahl der Übergriffe und Gewalttaten auf Menschen mit
Migrationshintergrund zugenommen.


Generell sieht man beinahe überall auf dem Campus Plakate oder Sticker, die gegen die AfD und sonstigen
,,braunen Dreck”, ein Verweis auf die braunen Uniformen der Nationalsozialisten, Stimmung machen. Im
Gespräch mit weiteren Studierenden wird schnell klar, dass auch diese nichts von der Partei halten. In einer
Vorlesung wird auch auf die Gefahr hingewiesen, dass, sollte die AfD die Landtagswahlen im September
gewinnen, die Medien in ernsthafte Bedrängnis geraten könnten. In Sachsen-Anhalt könnte eine mögliche
AfD-Regierung dann die Medienstaatsverträge kündigen und die GEZ-Gebühren abschaffen. Jedoch müsste
laut Bundesverfassungsgericht beispielsweise für den MDR ein Ersatz geschaffen werden. Dann könnte die
Beitragslast für die Bevölkerung sogar noch höher werden.


Man merkt also, die AfD schlägt Wellen. Doch auf der Hochschule weiß man diese aus unserer Sicht
einzuordnen.


Nachdem unser Schnupperstudium für den Tag vorbei ist, haben wir noch etwas Zeit, bevor unser Zug abfährt.
Wir überbrücken also mit der Straßenbahn den kurzen Weg in die Innenstadt. Magdeburg hat einige schöne
Ecken, erinnert mich optisch teils an Hamburg. Trotzdem haben wir das Gefühl, mehr Menschen in der oft von
Rechten getragenen Marke ,,Alpha Industries” zu begegnen, oder männlich gelesenen Jugendlichen etwa in
unserem Alter, die mit kurzgeschorenen Haaren, schwarzen Klamotten und bösen Blicken in unser Bild von
rechten Jugendlichen passen. Wir beschließen also, diesen subjektiven Eindruck zu überprüfen und
nachzuforschen, wie genau denn nun die Zahlen für die kommende Landtagswahl aussehen.


Momentan zeigt die Prognose, dass 41,6% der Wahlberechtigten in Sachsen-Anhalt für die AfD stimmen
würden. 24,9% würden ihre Stimme der CDU geben, 12,6% der Linken. Mit 6,4% schafft die SPD in der
Prognose gerade so die 5%-Hürde. Alle anderen Parteien wären gar nicht vertreten.


Die AfD ist also nicht weit davon entfernt, die absolute Mehrheit für sich zu beanspruchen. Magdeburg selbst
ist da nicht unbedingt eine Ausnahme. Bei der Bundestagswahl 2025 kann Claudia Weiss von der AfD 32,2%
der Erststimmen für sich beanspruchen, ein Anstieg von 17,2 Prozentpunkten gegenüber der
vorangegangenen Wahl. Der Kandidat der CDU auf dem zweiten Platz hat bereits fast zehn Prozentpunkte
weniger.

„Grafik: NDRData/FRQuelle: BundeswahlleiterinKartenmaterial: © 2024 Die Bundeswahlleiterin”

Stärkste Partei nach Zweitstimmen bei der Bundestagswahl 2025 AfD: Blau

Doch woran liegt diese Diskrepanz zwischen Osten und Westen?


Was auffällt, ist, dass das Gebiet, in dem die AfD stärkste Kraft wurde, beinahe identisch mit dem der
ehemaligen DDR ist. Dort sind die Löhne niedriger, die Arbeitslosenquote höher, es sind weniger
Bildungschancen vorhanden, und die älteren Generationen wissen immer noch, was für ein Umbruch die
Wiedervereinigung für sie war. Manche verloren ihre Jobs, viele fühlten sich gesellschaftlich abgehängt- vor
allem die, die eher mit dem Regime der DDR sympathisierten. Wer sich also mit der aktuellen Ordnung nicht
identifizieren kann, radikalisiert sich möglicherweise.


Unser Eindruck ist: Bildung und Aufklärung könnten helfen, dem vorzubeugen- wenn sie denn vorhanden sind.
An der Hochschule Magdeburg-Stendal sind sie das. Doch nicht nur Studenten sind wahlberechtigt, und die
eigene Bubble platzt schnell, wenn sich auf der Rückfahrt aus Magdeburg eine Frau über Schwarze Babys in
Deutschland beschwert. Das schockiert, doch dieser Schock ist wichtig. Alltagsrassismus darf nicht
normalisiert werden. Bleibt nur, die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt abzuwarten, um zu sehen, ob ein
rechtsextremer Landesverband möglicherweise diesen Schritt geht.

]]>
https://jojotimes.de/2026/09/01/rechts-auf-der-karte-probestudium-in-magdeburg/feed/ 0
Die Kunst des Faschismus https://jojotimes.de/2026/01/29/die-kunst-des-faschismus/ https://jojotimes.de/2026/01/29/die-kunst-des-faschismus/#respond Thu, 29 Jan 2026 08:01:04 +0000 https://jojotimes.de/?p=1306 Eine Berliner Ausstellung untersucht weltweite Ausprägungen und Erscheinungsformen von Faschismus

Ein zusammengekauerter Journalist in einem Müllsack, zwei Einkaufswägen mit zu Händen geformten Plastikflaschen, flackernde Bildschirme mit einer gequält schreienden Person, schockierende, aufweckende, abstrakte, emotionale Filme, Malereien und Fotografien. Diese ganz unterschiedlichen Werke haben etwas gemeinsam: Sie beschäftigen sich mit dem Thema Faschismus, seinen Ausprägungen und Erscheinungsformen in der Vergangenheit, aber vor allem auch in der Gegenwart, in unserem Alltag. Faschismus ist nicht verschwunden, er ist heute noch präsent und zwar auf der ganzen Welt. Darauf möchten internationale Künstler*innen aufmerksam machen. Ihre rund 50 Werke werden in der im September 2025 im Haus der Kulturen der Welt in Berlin eröffneten Ausstellung „Global Fascisms“ ausgestellt. Was ist Faschismus? Welche Relevanz hat er in unserer heutigen Welt? Und wie kann Kunst uns Faschismus verstehen, durchdringen und bekämpfen lassen?

Was ist Faschismus?

Der Begriff „Faschismus“ wird heutzutage meist unscharf gebraucht — ob in den sozialen Medien oder in politischen Debatten: Faschismusvorwürfe hören wir überall, doch häufig sind sie gar nicht zutreffend. Dadurch rückt die eigentliche Bedeutung des Begriffs immer mehr in den Hintergrund und wir werden blind für die wirklichen Gefahren faschistischer Denkweisen. Was bedeutet also „Faschismus“ genau? Leicht lässt sich diese Frage nicht beantworten, denn eine allgemeine Definition gibt es nicht. Der Faschismusbegriff wird zumeist auf das autoritäre, faschistische Regime des Diktators Benito Mussolini zurückgeführt, welches in Italien von 1922 bis 1943 herrschte. Dieses bezeichnete sich selbst mit dem italienischen Wort „fascio“, was übersetzt so viel wie „Rutenbündel“ bedeutet und das Amtszeichen der Leibwachen im antiken Rom darstellte. Im historischen Sinne kann Faschismus also als autoritäre, antidemokratische Ideologie mit dem Ziel, einen faschistischen Staat mit einem alleinigen Machthaber an seiner Spitze zu errichten, definiert werden. Damit verbunden sind Gewaltbereitschaft, übersteigerter Nationalismus – also das Überlegenheitsgefühl der eigenen Nation gegenüber anderen Nationen – sowie die Abwertung und Ausgrenzung von bestimmten Menschengruppen.

Eine globale Herausforderung

Ein Hauptziel des Ausstellungs- und Forschungsprojekts „Global Fascisms“ ist jedoch nicht die Betrachtung des Faschismus als historisches Phänomen, sondern als „allgegenwärtige und sich weiterentwickelnde globale Herausforderung“. Dass das Ende der faschistischen Staaten im 20. Jahrhundert auch automatisch zu einem Aussterben faschistischer Denkweisen in unserer heutigen Welt und in unseren Köpfen führte, ist ein Irrtum. Es lassen sich noch heute weltweit faschistische Tendenzen beobachten. Immer mehr Menschen wenden sich rechtsextremen und autoritären Bewegungen zu. Seit der letzten Bundestagswahl ist beispielsweise die vom Verfassungsschutz als rechtsextremistischer Verdachtsfall eingestufte Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) zweitstärkste Kraft im Bundestag. Hier zeigt sich ein jahrelanger Aufwärtskurs der Partei. Bei der Frage, ob die AfD faschistische Tendenzen hat, gehen die Expertenmeinungen auseinander, aber in jedem Fall existieren Strömungen innerhalb der Partei, die faschistoide Ideologien unterstützen. Dies äußert sich beispielsweise in populistischer, faschistoider Rhetorik, die häufig an den Nationalsozialismus angelehnt ist. Wenn politische Bewegungen, Parteien und Einzelpersonen autoritäre, nationalistische und antidemokratische Sichtweisen vertreten, dann sind faschistische Denkweisen nicht nur ein Phänomen aus Geschichtsbüchern, sondern vor unserer Haustür und überall auf der Welt spürbar.

Der Faschismus heute könne laut dem italienischen Schriftsteller Umberto Eco allerdings häufig nicht mit allen Ausprägungen der Vergangenheit gleichgesetzt werden, sondern wiederhole einzelne Elemente und Entwicklungen und spanne damit Parallelen zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Eco beschreibt Faschismus als Muster aus 14 verschiedenen Merkmalen, darunter ein ausgeprägtes Feindbild oder die Ablehnung kritischer Denkweisen. Diese müssten nicht zwingend gleichzeitig vorhanden und mit dem Ziel der Errichtung einer Diktatur verbunden sein, um von Faschismus sprechen zu können.

Dem ständigen, schnelllebigen Wandel unserer Welt und der Gesellschaft folgt auch der Faschismus. Denn: Faschismus ist kein Zustand, sondern laut Eco ein Prozess, der entscheidend durch moderne Entwicklungen geprägt wird. So werden nicht nur Ausprägungen des historischen Faschismus wiederholt, sondern auch neue Muster und Feindbilder entworfen und umgedeutet. Der Faschismusbegriff, der grammatikalisch richtig nur im Singular verwendet werden darf, wird im Titel der Ausstellung im Plural gebraucht. Hier handelt es sich keinesfalls um einen Rechtschreibfehler, denn durch das Wort „Faschismen“ werden die Entwicklung des Faschismus und seine historischen Parallelen hervorgehoben: „Wir sprechen in erster Linie deshalb von Faschismen, weil wir die Kontinuitäten […] und Ähnlichkeiten, und damit den amöbenartigen Charakter des Faschismus hervorheben wollen, der zu verschiedenen Zeiten je Unterschiedliches bedeutet hat“, schreibt Cosmin Costinaș im kuratorischen Essay der Ausstellung.

Ein faschistischer Chatbot und ein Journalist ohne Arbeit

„Adolf Hitler sei die beste Person um den angeblichen Hass gegen Weiße zu bewältigen“, behauptete Chatbot Grok im Dialog mit einem Nutzer. Grok, der von Elon Musks KI-Unternehmen xAI entworfen wurde, fiel vor einigen Monaten durch mehrere antisemitische, den Nationalsozialismus verherrlichende Äußerungen auf. Ein Schock für viele Nutzer. Künstliche Intelligenz und die Sozialen Medien werden von Millionen von Menschen genutzt und können Millionen von Menschen erreichen. Hier liegt eine große Gefahr, denn so können faschistische Aussagen weltweit verbreitet und verstärkt werden. Durch ungefilterte Meinungsäußerung und die Verstärkung von Einstellungen durch den Austausch mit Gleichgesinnten in sogenannten „Echokammern“ werden faschistische Meinungen zunehmend normalisiert.

Den Einfluss von künstlicher Intelligenz auf den Wert und die Freiheit von Menschen beleuchtet auch der US-Amerikanische Künstler Josh Kline. Er stellt in seinem Werk „Unemployed Journalist (Dave)“ eine 3D-gedruckte Skulptur eines in einem Müllsack kauernden Journalisten dar. Ein Journalist, der wertlos ist und entsorgt wird, weil ihn künstliche Intelligenz ersetzt. Eine freie menschliche Berichterstattung wäre in einem solchen Szenario nicht mehr möglich, besonders wenn ein Chatbot wie Grok, kontrolliert von einen mächtigen Tech-Milliardär, diesen Job übernehmen würde.

Eine Art zusammenzuleben, ohne zusammen zu leben

„How to be invisible“ ist der Titel eines Gemäldes der polnischen Künstlerin Karolina Jablońska. Darauf zu sehen ist eine Frau, zusammengerollt auf dem Boden und in ein großes Kleidungsstück gehüllt. Die Figur scheint sich verstecken zu wollen, doch es gelingt ihr nicht, da ihr Körper den Mittelpunkt des Gemäldes bildet. Das Gefühl der Verzweiflung ist regelrecht spürbar. Die Künstlerin kritisiert die Macht der Politik mit Abtreibungsverboten über das Leben von Frauen zu entscheiden und inszeniert mit der Figur auf ihrem Gemälde einen stillen Protest. Durch diese politischen Maßnahmen werde über das persönliche Leben der Menschen verfügt.

Faschistische Ideologien entscheiden darüber, welches Leben wertvoll und welches wertlos ist. So könne Faschismus nach Umberto Eco auch als „Kriegserklärung“ gegen eine bestimmte Gruppe verstanden werden. Dabei ist diese Gruppe kein wirklicher Feind, sondern ein Konstrukt, welches aus faschistischen Ideologien hervorgeht. Wenn Donald Trump beispielsweise das rassistische Gerücht verbreitet, Migranten in Springfield würden Hunde und Katzen essen, dann verbreitet er gezielt Hass und Angst, um diese Gruppe zu entmenschlichen. Das Entwerfen und die Verbreitung von Feindbildern sind in unserer heutigen Zeit keine Seltenheit. Bei einer Führung durch die Ausstellung sagte unser Guide daher, dass Faschismus eine Art zusammenzuleben sei, ohne jedoch zusammen zu leben.

Sind wir alle Faschisten?

Woher kommt Faschismus? Warum glauben Menschen an faschistische Ideologien? Liegen faschistische Denkweisen vielleicht sogar in der menschlichen Natur, sodass im Grunde jeder ein Faschist ist? Auch mit diesen Fragen beschäftigen sich die Kunstwerke, ohne sie jedoch immer eindeutig beantworten zu können. Die Künstlerin Hanna Höch, die zur Zeit des Nationalsozialismus malte, hält in ihrem abstrakten Gemälde „Wilder Aufbruch“ (1945), welches eine Figur zeigt, die aus einer anderen emporsteigt, einen besonders traurigen Moment der Geschichte fest. Sie zeigt, wie große Teile der deutschen Bevölkerung die Nationalsozialisten willkommen hießen und ihre faschistischen, rassistischen und antisemitischen Denkweisen ohne Hinterfragen unterstützten. Ein „wilder Aufbruch“ in eine faschistische Zukunft. Warum? Viele Menschen erhofften sich eine bessere Zukunft. Faschistische Überzeugungen gedeihen besonders in Krisenzeiten, in Zeiten der Unsicherheit, in denen der Faschismus eine rettende Ordnung verspricht. Verbunden mit einer „großen Erzählung“ werden Erwartungen geweckt, die niemals erfüllt werden können.

Sind wir heutzutage, in einer Welt voller Krisen und Kriege, in der Lage, aufkommende faschistische Wellen zu brechen? In einer Welt, in der sich mehr und mehr faschistische Denkweisen breit machen und Unterstützung finden? In der sich diese durch Technologien rasant verbreiten?

Die Kunst des Widerstands

„Kunst kann in einzigartiger Weise die verschiedenen Ebenen des Lebens durchdringen und widerspiegeln“, so beschreibt der Kurator Cosmin Costinaș die Wirkung der Kunst. Die verschiedenen Kunstwerke bilden Faschismus zum einen ab und reflektieren über seine Erscheinungsformen in der Welt. Die Betrachter werden informiert und können diesen verstehen, ohne lange Definitionen zu lesen, die einen Knoten im Kopf hinterlassen. Zum anderen leistet Kunst aber auch, und das ist noch viel wichtiger, aktiv Widerstand gegen faschistische Ideologien. Allein schon ihre Existenz stellt sich diesen entgegen. Die Werke wirken emotional, verstörend und verwunderlich auf ihre Betrachter und regen diese zum Nachdenken, zur Selbstreflexion und Auseinandersetzung mit dem Thema an. Kunst lässt uns Faschismus nicht aus einer Distanz betrachten, sondern seine Tendenzen von Berlin bis Bangkok erleben und durchdringen. So schafft die Kunst einen Diskussions- und Widerstandsraum. Zudem kann sie auch Momente des Widerstands abbilden, an denen sich Menschen orientieren und festhalten können.

Die Ausstellung „Global Fascisms“ ruft uns dazu auf, nicht zuzulassen, dass sich faschistische und menschenfeindliche Denkweisen in Gesellschaft und Politik verbreiten, sodass ein Punkt erreicht wird, an dem sich die Welle nicht mehr aufhalten lässt. Selbst wenn es sich nur um faschistische Tendenzen handle, dürften wir sie nicht verharmlosen und darauf warten, dass sich das Problem schon von selbst lösen werde. Das Projekt zeigt, welche Wirkung Kreativität und kluge Köpfe im Widerstand gegen Faschismus haben und auch nach dem Ende der Ausstellung, dürften wir dies nicht vergessen. Was die Ausstellung uns sagen möchte: Lasst uns nicht nur nebeneinander, sondern auch miteinander leben.

]]>
https://jojotimes.de/2026/01/29/die-kunst-des-faschismus/feed/ 0
BÖRSENFIEBER AM JOHANNEUM: Das Planspiel Börse startet durch https://jojotimes.de/2025/12/11/boersenfieber-am-johanneum-das-planspiel-boerse-startet-durch/ https://jojotimes.de/2025/12/11/boersenfieber-am-johanneum-das-planspiel-boerse-startet-durch/#respond Thu, 11 Dec 2025 13:08:55 +0000 https://jojotimes.de/?p=1291 Aktien, Kurse, Gewinne… Klingt nach Erwachsenenkram? Von wegen! Beim Börsenspiel unserer Schule können wir selbst ausprobieren, wie die Welt der Finanzen funktioniert. Und das ganz ohne Risiko.

Wer denkt, Börse sei nur etwas für Erwachsene, liegt falsch. Jeden Donnerstag in der siebten Stunde verwandelt sich Raum 003 in eine Börsenzentrale. Dort trifft sich eine wechselnde Gruppe aus den insgesamt 31 angemeldeten Schülerinnen und Schülern unter der Leitung von Politiklehrer Herrn Czempik, um in die Finanzwelt einzutauchen. Jedes Team startet mit 50.000 Euro virtuellem Kapital und versucht, daraus das Beste zu machen.

„Mir ist wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler die aktuellen Ereignisse nicht nur mitbekommen, sondern auch verstehen“, erklärt Herr Czempik. „Wer Zeitung liest und Politik verfolgt, sieht im Planspiel sofort, wie sich weltweite Entwicklungen in Zahlen und Märkten widerspiegeln. Genau diese Verbindung macht das Ganze so spannend.“

Gehandelt wird über App oder Webversion, und zwar zu echten Kursen. Schon kleine Entscheidungen können große Folgen haben. Besonders spannend: Neben dem Wettlauf um die höchste Performance gibt es auch eine Nachhaltigkeitswertung. Viele Aktien tragen ein Nachhaltigkeitssymbol, und genau das zeigt, dass Rendite und Verantwortung zusammenpassen können.

Auch die Schüler sind motiviert. Kyle Nguyen aus der 11. Klasse erzählt: „Ich mache beim Börsenspiel mit, weil ich später im Leben besser vorbereitet sein will. Hier kann ich ausprobieren, welche Folgen meine Entscheidungen haben, ohne echtes Geld zu riskieren. Außerdem macht es einfach Spaß, sich mit Freunden zu messen.“

Am Ende geht es nicht nur um die über 4.000 Euro Preisgeld, die die Sparkasse Lüneburg bereitstellt. Viel wichtiger sind die Erfahrungen: im Team zusammenarbeiten, Strategien entwickeln und das Vertrauen gewinnen, selbst kluge finanzielle Entscheidungen treffen zu können.

]]>
https://jojotimes.de/2025/12/11/boersenfieber-am-johanneum-das-planspiel-boerse-startet-durch/feed/ 0
Ein Raum ohne Diskriminierung https://jojotimes.de/2025/07/03/ein-raum-ohne-diskriminierung/ https://jojotimes.de/2025/07/03/ein-raum-ohne-diskriminierung/#respond Thu, 03 Jul 2025 09:56:48 +0000 https://jojotimes.de/?p=1176 Ein Interview mit der Queer-AG

Die festgesetzte und eingeschränkte Sicht, dass es nur das männliche und das weibliche Geschlecht gebe, existiert schon lange nicht mehr. Oder doch? Trotz Aufklärung und Protesten ist Queerness für viele immer noch ein Tabuthema und wird häufig als „Abweichung von der Norm“ angesehen. In vielen Bereichen der Gesellschaft wird genderqueeren Menschen auch heute noch vermittelt, dass sie nicht dazu gehören würden, dass sie weniger wert, dass sie nicht normal seien. Viele Menschen denken auch heute noch in alten Mustern, die keinen Platz für mehr als zwei Geschlechter bieten und das Leben queerer Personen extrem erschweren. Tagtäglich werden sie mit Anfeindungen und Hass konfrontiert — ob auf Social Media oder auf dem Schulhof. Einen sogenannten „Safe Space“, also einen sicheren Raum, bietet die Queer-AG bei uns am Johanneum, die von Pascal Mennen gegründet wurde und sich seit vier Jahren aktiv mit dem Thema LGBTQ* beschäftigt. Ihre elf Mitglieder arbeiten jeden Montag an Projekten zu verschiedensten Bereichen des Themas und tauschen sich über ihre Erfahrungen und Erlebnisse aus.

„Genderqueer — was bedeutet das eigentlich?

Der Begriff „Genderqueer“ beschreibt zum einen Personen, die nicht der Norm des binären Geschlechtersystems entsprechen, also der Sicht, dass es nur das männliche und das weibliche Geschlecht gebe. Zum anderen kann der Begriff aber auch eine individuelle Geschlechtsidentität bezeichnen. Die Geschlechtsidentität beschreibt, mit welchem Geschlecht sich ein Mensch identifiziert. Dieses muss aber nicht mit dem biologischen Geschlecht übereinstimmen, welches einem Menschen von Geburt aus zugewiesen wird. Personen mit einer queeren Geschlechtsidentität identifizieren sich demnach entweder sowohl als Mann und Frau gleichzeitig oder fühlen sich weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zugehörig. Die Abkürzung LGBTQ* oder LSBTQ*, wie man es im Deutschen bezeichnen kann, wird als Überbegriff für jegliche Formen der Anziehung zwischen Menschen und für ihre Geschlechtsidentitäten verwendet. Sie steht für lesbisch, schwul, bi*, trans*, inter* und queer.

„Safe Space“

Die Queer-AG möchte einen Ort schaffen, an dem sich queere Personen wohlfühlen können und nicht das Gefühl haben, ihre Identität verstecken zu müssen. Hier können sie über ihre Erfahrungen und Probleme sprechen, ohne dass sie dafür verurteilt werden. Hier bekommen sie eine Stimme und werden verstanden. „Ich habe einen Ort gefunden, an dem ich hundert Prozent ich selbst sein kann“, erzählt Bee. Sich sicher fühlen oder offen über ihre Geschlechtsidentität sprechen, können sie außerhalb dieses Raums nicht überall, beispielsweise, wenn sie in einem Haushalt leben, wo das Thema „Queer“ tabu ist. Aber auch am Johanneum herrsche aus ihrer Sicht kein ausschließlich offenes Klima. So bekommen sie zwar meist positives Feedback bezüglich der AG, aber werden persönlich mit vielen negativen Reaktionen, vor allem von Schüler*innen, konfrontiert, sodass sie alltäglich mit der Angst zur Schule gehen, verurteilt zu werden. Ihnen werden in Gruppen respektlose Beleidigungen hinterhergerufen, beispielsweise wenn sie nach einem ihrer Treffen den Raum verlassen. „Das ist nicht in Ordnung und man sollte aktiv etwas dagegen tun“, betonen sie. Auch von einigen Lehrkräften fühlen sie sich nicht vollständig akzeptiert. Mehrmals sei es ihnen beispielsweise passiert, dass Lehrkräfte ihre veränderten Pronomen, also die Wörter mit denen sie bezeichnet werden möchten, nicht akzeptierten und ihrer Bitte, sie anders anzusprechen, nicht nachkamen. So berichten sie, dass sie schon erlebt hätten, wie eine Lehrkraft ein aufgestelltes Namensschild mit den richtigen Pronomen als Schwachsinn bezeichnete. Meist seien falsche Ansprachen und diskriminierende Äußerungen allerdings nicht böse gemeint, da sie aus Unwissenheit und stereotypischem Denken entstehen würden. Doch aufgrund solcher Vorfälle, trauten sich die Mitglieder der AG, aus Angst vor einer negativen Reaktion oder einer anderen Behandlung, häufig nicht, sich vor Lehrkräften zu outen.

Pride Flag in der Schule?

Es ist Juni und damit wieder Pride Month. Ein Monat, in dem weltweit geschlechtliche und sexuelle Vielfalt gefeiert und ein Zeichen gegen Hass und Diskriminierung der LGBTQ*- Gemeinschaft gesetzt wird. Dieses Jahr hängt auch am Johanneum wieder eine „Pride Flag“ im Forum. So war es allerdings nicht jedes Jahr. Doch warum zeigte das Johanneum nicht schon seit der Gründung der Queer-AG Toleranz durch das Hissen einer Regenbogenflagge? Erst seit 2023 ist es ausdrücklich erlaubt und erwünscht diese Flagge an Schulen zu hissen. Dies sei allerdings keine Entscheidung der Schule, sondern werde in einem Flaggenerlass des Kultusministeriums genau geregelt, betont unsere Schulleiterin Frau Lindemann. Hier sei festgelegt, welche Flaggen zu welchen Anlässen in einer Schule aufgehängt werden dürfen. Die Schulleitung könne daher das Aufhängen einer Flagge nicht einfach „von heute auf morgen“ bestimmen, sondern müsse dies genau planen und sich an die Regelungen halten, in denen das Aufhängen einer Regenbogenflagge zuvor nicht genannt wurde. Frau Lindemann begrüßt es sehr, dass nun keine rechtlichen Unklarheiten mehr vorliegen und die Flagge seit der Ergänzung des Flaggenerlasses immer in der Schule präsentiert werden könne. Begeistert betont sie: „Ich finde es ganz toll, dass die Schule die Flagge zeigt!“

Hass in den Sozialen Medien

In den sozialen Medien kursieren viel Hass und Anfeindungen gegenüber Minderheiten. So auch gegenüber genderqueeren Personen. Das erlebten auch die Schüler*innen der AG bei einem Video auf dem Instagram-Account des Johannems, in dem sich die AG vorstellt. Das Video traf einerseits auf viele positive Reaktionen und Kommentare, beispielsweise von dem Influencer Fabian Grishcat, der seine Begeisterung für die AG aussprach und sich eine solche Gruppe in seiner Jugend gewünscht hätte. Allerdings reagierten auch viele Instagramnutzer mit heftigen Hate-Kommentaren. Darunter waren beispielsweise hasserfüllte Memes, auch von Personen, die sich dem rechten Spektrum zuordnen lassen. Herr Czempik, der den Instagram-Account führt, hat daraufhin die meisten dieser Kommentare gelöscht. Die Mitglieder der AG erzählen, sie seien schockiert über die beleidigenden Reaktionen, könnten aber im Endeffekt nichts gegen den Hass auf Social Media ausrichten und hätten zudem „nicht so viel Kraft dazwischen zu gehen“. 

„Queere Helden“

Warum ist der Hass immer noch so groß? Warum gehen auch Schüler*innen des Johanneums nicht respektvoll miteinander um und diskriminieren andere aufgrund ihrer Geschlechtsidentität? Liegt es an der Unwissenheit und dem fehlenden Verständnis der Schüler*innen und auch mancher Lehrer*innen bezüglich des Themas? Durch Aufklärung versucht die Queer-AG daher mehr Akzeptanz zu schaffen, da Kommunikation die einzige Möglichkeit sei, die Distanz, die ohne Berührungspunkte mit dem Thema bestehe, zu überbrücken. Sie gestalten Plakate mit Informationen über diverse Themen aus dem LGBTQ-Bereich, die sie in einer Vitrine im Forum ausstellen. Aktuell hängt dort ein Plakat über „Queere Helden“, wie zum Beispiel Freddie Mercury, der Lead-Sänger der Band Queen, der besonders durch seinen ausgefallenen Kleidungsstil und seine Songtexte, die offen damalige Tabuthemen thematisierten, ein Vorbild für die LGBTQ*-Community ist. Auch Kasha Nabageseras bewegende Geschichte lässt sich auf dem Plakat nachlesen. Die ugandische Menschenrechtsaktivistin setzt sich in ihrer Heimat öffentlich für die Anerkennung homosexueller Menschen ein und wird daher von der Regierung verfolgt und bedroht. Leider werden immer wieder Teile der Plakate von Schüler*innen abgerissen. „Wir würden uns wünschen, dass unsere Plakate nicht mutwillig zerstört werden“, erklärt Lake. Sie und die anderen sind enttäuscht, dass ihre investierte Arbeit nicht respektiert wird, denn selbst, wenn sich manche nicht damit beschäftigen wollten, brauchten sie die Plakate noch lange nicht beschädigen und anderen Interessierten das Anschauen verwehren. 

Außerdem plant die Queer-AG, die von Frau Seyppel unterstützt und im Lehrerzimmer vertreten wird, zusammen mit der Englischfachgruppe ein Projekt über „Label“, Begriffe wie „queer“ und „lesbisch“, die verwendet werden, um die Vielfalt sexueller Orientierungen und Geschlechtsidentitäten auszudrücken. Im Englischunterricht sollen verschiedene Klassenstufen über das Labeln von Personen und die damit verbundenen Vor- und Nachteile sprechen und am Ende einer Doppelstunde das Gelernte in einer Fotoaktion umsetzen. Daneben findet am Johanneum jedes Jahr ein Präventionsworkshop für die neunten Klassen statt, in dem die Schüler*innen von LGBTQ*-Personen über das Thema informiert werden. Die Schüler*innen der AG kritisieren jedoch, dass die Anzahl der Unterrichtsstunden, in denen LGBTQ*-Themen behandelt werden, trotzdem noch zu gering sei.

Was können wir tun, um queere Personen am Johanneum zu unterstützen?

„Wir wünschen uns, dass Queerness als so normal angesehen wird, wie es ist“, betont Bee unter Zustimmung der anderen. Sowohl Schüler*innen als auch Lehrkräfte sollten sie so akzeptieren, wie sie sind, sodass sie auch außerhalb ihres Safe Spaces nicht das Gefühl haben, sich für ihre Geschlechtsidentität schämen zu müssen oder ausgeschlossen zu werden. 

Einige der Schüler*innen haben ihre Namen geändert, da sie sich mit ihrem alten Namen nicht mehr vollständig identifizierten. Ihnen ist es deshalb wichtig, dass diese Namensänderungen sowie ihre veränderten Pronomen respektiert und vor allem von Lehrkräften so gut wie möglich umgesetzt werden. Außerdem solle niemand Scheu davor haben Fragen zu stellen, da es besser sei einfach nachzufragen, als ihre Wünsche zu ignorieren oder sie aus Unwissenheit zu diskriminieren.

Unsere Gesellschaft ist vielfältig und geprägt von verschiedenen Identitäten, die nicht nach Normen unterteilt werden können. Bis dies allerdings von der Mehrheit so akzeptiert wird, ist es noch ein langer Weg. AGs wie unsere am Johanneum tragen dazu bei, dass die Entwicklung hin zu mehr Akzeptanz und Offenheit vorangetrieben wird. Auch jeder einzelne Schüler und jede einzelne Schülerin kann dabei helfen, indem er oder sie aufhört, andere anhand ihrer Identität in Kategorien einzuteilen und stattdessen jede Geschlechtsidentität, egal ob sie mit dem biologischen Geschlecht übereinstimmt oder nicht, respektiert.

Tipps und Unterstützung
Du fühlst dich nicht wohl mit deinem Geschlecht und hast das Gefühl, du könntest queer sein? Du bist aber unsicher, wie du mit diesem Gefühl umgehen sollst und wie du dich informieren kannst?
Die Schüler*innen der Queer-AG raten jungen Menschen, die unsicher sind, zuallererst nicht in Stress zu verfallen. Seine eigene Identität zu finden sei ein Prozess und man sollte ihm seine Zeit geben. Was immer helfen kann, ist ein „Safe Space“, in dem man seine Gedanken loswerden und sich mit Gleichaltrigen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, austauschen kann. Jede Person sei in der Queer-AG willkommen, egal, ob man sich noch unsicher ist, oder die AG einfach nur unterstützen möchte. Ein Treffpunkt für queere Menschen in Lüneburg bietet zudem der „Checkpoint Queer“, der Beratungen und Unterstützung anbietet. Dort kann man auch in einer Bibliothek mit Büchern über Queerness stöbern.
Einigen Schüler*innen hat es auch geholfen, sich vorzustellen, wie sie gerne leben würden, wenn sie nicht von gesellschaftlichen Zwängen eingeschränkt wären. Außerdem haben sie, auch, wenn es am Anfang schwierig erschien, einfach ausprobiert mit welcher Geschlechtsidentität sie sich am stärksten identifizieren, zum Beispiel, indem sie verschiedene Pronomen benutzt haben.
]]>
https://jojotimes.de/2025/07/03/ein-raum-ohne-diskriminierung/feed/ 0
Zukunft neu gedacht – junger Journalismus https://jojotimes.de/2024/12/18/zukunft-neu-gedacht-junger-journalismus/ https://jojotimes.de/2024/12/18/zukunft-neu-gedacht-junger-journalismus/#respond Wed, 18 Dec 2024 14:14:53 +0000 https://jojotimes.de/?p=1090 Foto: Dr. Sven Halldorn hält einen Vortrag über eine nachhaltige Gestaltung der Mobilität

Ein Bericht über den Jugendpressekongress in Berlin

Es sind nur noch wenige Minuten, bis die Artikel und Videos fertiggestellt sein müssen. Einige diskutieren noch angeregt mit Gruppenmitgliedern über noch ungeklärte Fragen, andere tippen unaufhörlich in die Tasten ihrer Laptops oder versuchen die letzten Fragen in Interviews mit Expert*innen zu beantworten. Auch ich schreibe meine letzten Sätze, während die anderen aus der Gruppe sich einen Titel für unseren Artikel überlegen. Der Zeitdruck ist förmlich spürbar, aber auch der Stolz auf die gemeinsame Arbeit und die Vorfreude auf die Ergebnisse der anderen – und vielleicht auch ein kleines bisschen auf das Abendessen im Restaurant. All das und noch Vieles mehr erlebe ich auf dem 197. Jugendpressekongress in Berlin. 

Am Wochenende vom 20. bis zum 22. September 2024 kommen rund hundert Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 15 bis 20 Jahren aus ganz Deutschland zusammen, um mit Unterstützung von Profijournalist*innen mehr über Presse und Medien zu lernen. Verschiedene Expert*innen halten Vorträge zu den Themen Nachhaltigkeit und Mobilität und liefern Input für die Kongresszeitung, das Webmagazin und den TV-Beitrag, die die Jugendlichen gestalten.

Als ich im Kongresshotel in Berlin ankomme, treffe ich auf viele freundliche Menschen, die teilweise von weither angereist sind. Beim Abendessen unterhalten wir uns darüber, wo wir uns engagieren, beispielsweise in der Schule als Schülerzeitungsredakteur*in oder Schülersprecher*in, in der Politik, der Kirche, bei Umweltorganisationen oder der Freiwilligen Feuerwehr. „Mir hat besonders die offene Atmosphäre unter den Teilnehmenden gefallen und die Möglichkeit mit vielen Menschen ins Gespräch zu kommen“, berichtet der sechzehnjährige Schüler Max aus Duisburg. Der Pressekongress bietet die Möglichkeit sich mit ähnlich interessierten Menschen auszutauschen und zu vernetzen.

Am Samstag, dem Haupttag des Kongresses, verfolgen wir gespannt die Vorträge der Expert*innen, machen eifrig Notizen und stellen Fragen. Zum Einstieg werden wir über das Zukunftsziel der Nachhaltigkeit und den Umgang mit den 17 Nachhaltigkeitszielen der UN informiert. Diese Ziele, die ökologische, ökonomische und soziale Aspekte umfassen, wurden im Jahr 2015 von den Vereinten Nationen verabschiedet. Die Staaten verpflichteten sich dazu, diese bis zum Jahr 2030 umzusetzen, um den nachfolgenden Generationen die gleichen Chancen zu ermöglichen wie wir sie heute haben. Der Referent betont dabei, dass jeder und jede selbst Verantwortung übernehmen und einen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung leisten solle. Dabei reiche es, wenn man sich kleine Ziele, wie zum Beispiel das Spenden an die Tafel oder die vermehrte Nutzung des Fahrrads statt des Autos, setze, da auch diese in ihrer Gesamtheit Großes bewirken könnten.

Ein weiterer Vortrag des Ministerialdirigenten der Bundesregierung Dr. Guido Heinen deckt viele Fakten über Medien und Journalismus auf. Er berichtet darüber, wie Medien unsere Wahrnehmung prägen und welchen Einfluss verfälschte Berichterstattung, zum Beispiel durch ungenaue Statistiken, überspitzte Formulierungen oder auch gezielte Fakenews, hat.

Am Nachmittag teilen wir uns in verschiedene Gruppen auf, die von Journalist*innen großer Sender und überregionaler Zeitungen begleitet werden. Eine Gruppe kümmert sich um die Kongresszeitung, bei der auch ich mitmache, eine um das Onlinemagazin und die dritte Gruppe wird von einem Kamerateam begleitet, um einen TV Beitrag zu gestalten. Die Profijournalist*innen geben uns zuerst in einem Workshop viele Tipps zur Berichterstattung. Darauf folgen weitere Vorträge von Expert*innen, die sich vor allem auf das Thema einer nachhaltigen Mobilität fokussieren. Zum Beispiel der Vortrag über die Bedeutung von nachhaltigem Schienengüterverkehr, den Dr. Nikutta von der Deutschen Bahn hält, oder die spannenden Einblicke in die Welt alternativer Kraftstoffe, die Prof. Dr. Jürgen Krahl liefert.

Foto: Teilnehmer*innen führen ein Interview mit Prof. Dr. Jürgen Krahl

Nun erleben wir selbst den journalistischen Alltag. In drei Stunden sollen die Artikel geschrieben und die Videos gedreht sein. Eilig hauen wir in die Tasten unserer Laptops, recherchieren, führen Interviews mit den Expert*innen, filmen Statements und halten die verschiedenen Zukunftsperspektiven fest. Ich verfasse in einer Gruppe mit vier Weiteren einen Artikel über ein mittelständisches Unternehmen der Metallindustrie, dessen Geschäftsführerin im Interview mit mir die Bedeutung kleinerer Unternehmen bei der nachhaltigen Entwicklung der Wirtschaft hervorhebt. Der siebzehnjährige Schüler Oliver aus Alzenau ist in der Webmagazin-Gruppe. Er erzählt: „Ich habe ein Webmag-Interview geführt und einen Artikel geschrieben. Für jeden, der Dinge kritisch hinterfragt oder sich für den Journalismus interessiert, ist der Kongress auf jeden Fall ein Muss“.

Am Ende des Kongresses liegt die fertige Zeitung auf dem Tisch, das Webmag kann online abgerufen werden und der Film gemeinsam angeschaut werden. Für uns alle war es ein interessantes Wochenende, bei dem wir viel lernen konnten.

Das Kongresswochenende wurde neben weiterer Bildungsveranstaltungen für junge Menschen von der young leaders GmbH organisiert. Diese will junge Menschen, die sich ehrenamtlich für Andere engagieren und Verantwortung übernehmen, fördern. So findet zum Beispiel zweimal im Jahr die young leaders Akademie statt. Dort entwickeln die Teilnehmer*innen eine Woche lang Zukunftsstrategien und schreiben Artikel oder drehen Videos dazu. Außerdem finden auch Veranstaltungen wie die Philosophie- und die Lateinakademie statt. Bei diesen und weiteren Veranstaltungen dreht es sich meist um die Entwicklung neuer Gedanken, Zukunftsvisionen und Zukunftsgestaltung sowie Medien und Journalismus. Alles was man braucht, um sich zu bewerben, ist ein ehrenamtliches Engagement, die Motivation neue Erfahrungen zu machen und die Offenheit, mit verschiedenen Menschen in Kontakt zu treten. Eins ist klar: Es lohnt sich! Zum einen kann man seinen eigenen Horizont durch Expertenvorträge und den Austausch mit anderen Teilnehmenden erweitern, zum anderen in neue Themenbereiche eintauchen und zum Beispiel journalistisches Arbeiten erlernen. Wir sind die Generation, die die Zukunft entscheidend mitgestalten kann und muss. Durch Veranstaltungen wie diese werden uns Mittel dafür in die Hand gegeben.

Habt ihr Lust bekommen bei einer Veranstaltung von young leaders teilzunehmen? Anmelden könnt ihr euch ganz einfach über diese Website: https://young-leaders.net. Dort könnt ihr alle Veranstaltungen einsehen und den passenden Bewerbungsbogen mit eurem Namen, Geburtsdatum, Adresse und eurem Engagement ausfüllen. Dann nur noch absenden und hoffen, dass die Bewerbung erfolgreich ist.

]]>
https://jojotimes.de/2024/12/18/zukunft-neu-gedacht-junger-journalismus/feed/ 0
Die Rückkehr der Nazi-Lehrer https://jojotimes.de/2024/09/25/die-rueckkehr-der-nazi-lehrer/ https://jojotimes.de/2024/09/25/die-rueckkehr-der-nazi-lehrer/#respond Wed, 25 Sep 2024 12:05:51 +0000 https://jojotimes.de/?p=1042 Bild der Veranstaltung: Viele der Anwesenden haben vor über fünfzig Jahren ihr Abitur am Johanneum gemacht

Wie stark war der NS-Einfluss am Johanneum in der Nachkriegszeit?

Es ist das Jahr 1945. Nach fast sechs Jahren Krieg tritt am 8. Mai die Erklärung der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands in Kraft. Es ist das Ende eines Krieges, der das Leben von über 60 Millionen Menschen kostete. Die Alliierten befreien Deutschland von der nationalsozialistischen Herrschaft und teilen es in vier Besatzungszonen auf. Lüneburg liegt in der britischen Zone, so auch das Johanneum. Am 1. Oktober 1945 wird hier der Schulbetrieb, der im Zuge der Besetzung durch die Alliierten eingestellt worden war, wieder aufgenommen. Jeder Lehrer wird vor der Wiedereinstellung in den Schuldienst von der britischen Militärregierung auf seine Aktivitäten während der Zeit des Nationalsozialismus überprüft.
Wie viele Lehrer haben sich am Johanneum am Nationalsozialismus beteiligt? Wie gestaltete sich das Schulleben in der Nachkriegszeit? Und was berichten ehemalige Schüler?

Am 21.05.2024 berichtete der Historiker und ehemalige Schüler des Johanneums Dr. Bernd Rother über die NS-Vergangenheit unserer Schule und stellte anhand von drei Jahren die Entwicklungen in der Nachkriegszeit dar. Seine Forschungen zeigen, wie lange das „Dritte Reich“ noch Auswirkungen auf das Johanneum hatte. Die Vortrags- und Diskussionsveranstaltung, die schon einmal im Januar stattgefunden hatte, fand in Zusammenarbeit mit der SPD im Museum Lüneburg statt. Viele ehemalige Schüler waren anwesend, die Vieles, was berichtet wurde, selbst miterlebt hatten. 

Entnazifizierung Deutschlands

Den Alliierten war es sehr wichtig, die deutsche Gesellschaft von nationalsozialistischen Einflüssen zu befreien und ein demokratisches System zu etablieren. Zum einen wurden die NSDAP und weitere nationalsozialistische Organisationen aufgelöst und Nationalsozialisten aus der öffentlichen Verwaltung und anderen Positionen ausgeschlossen. Zudem wurden alle nationalsozialistischen Gesetze außer Kraft gesetzt, Nazi-Symbole aus dem öffentlichen Raum entfernt und Straßennamen geändert. Zum anderen sollte die deutsche Bevölkerung entnazifiziert werden. Ein wichtiges Mittel dabei war ein Fragebogen, mit dem die Tätigkeiten und Stellungen im Nationalsozialismus abgefragt wurden. Daraufhin wurden die Menschen in verschiedene Kategorien eingestuft, nach denen sich das weitere Verfahren richtete, beispielsweise eine Inhaftierung bei „Hauptschuldigen“ oder ein Berufsverbot bei weniger Belasteten.

Wie war das Ergebnis für das Johanneum?

Im Zuge der Entnazifizierung wurde auch das Lehrerkollegium des Johanneums, welches zu der Zeit ein reines Jungengymnasium war, an dem ausschließlich männliche Lehrer unterrichteten, auf seine Aktivitäten überprüft. Dabei ergab sich ein erschreckendes Ergebnis: „[Wir kommen] für die 49 Lehrkräfte des Johanneums in der Nachkriegszeit auf einen Anteil von 73 % ehemaliger NSDAP-Mitglieder, während der Anteil in der erwachsenen Gesamtbevölkerung nur bei etwa 15 % lag“, so Bernd Rother. 

Einer dieser Lehrer war zum Beispiel Sigurd Pulwer. Mit neunzehn Jahren habe sich dieser im Jahr 1928 der noch unbedeutenden NSDAP und der SA (kurz für Sturmabteilung) angeschlossen. 1943 sei er Lehrer am Johanneum geworden. Am Kriegsende geriet er jedoch in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Rückkehr unterrichtete er wieder am Johanneum. Im Fragebogen zur Entnazifizierung habe Pulwer nichts beschönigt oder verheimlicht, weshalb er 1947 aus dem Schuldienst entlassen worden sei. Zwei Jahre später wurde Pulwer allerdings von der Stadt Lüneburg auf Probe wieder als Lehrer eingestellt. Ein ehemaliger Schüler berichtete, das Pulwer deutliche Sympathien für den Nationalsozialismus zum Ausdruck gebracht haben soll. Zum Beispiel solle er betont haben, dass er sich nach „dieser furchtbaren Enttäuschung“ nie wieder politisch engagiert hätte.

Die Entnazifizierung der Lehrer war mit vielen organisatorischen Problemen verbunden. Die meisten Lehrer mussten im Nationalsozialismus Parteimitglieder werden, um unterrichten zu können, weshalb die konsequente Umsetzung eines Entnazifizierungsprogramms den Schulbetrieb erheblich gestört hätte. Aufgrund des großen Lehrermangels wurden daher viele ehemalige Parteimitglieder wieder eingestellt, so wie es bei Pulwer der Fall war, aber auch Pensionäre zurück an die Schulen geholt. 

 „Schwarze Pädagogik“

Wie lässt sich jedoch die Nachkriegszeit am Johanneum beschreiben? War die Schule immer noch vom Geist des Nationalsozialismus geprägt?

„Die Mehrzahl unserer Lehrer kehrte zu rechtskonservativen Überzeugungen der Vor-Nazizeit zurück“, erklärt Bernd Rother. Diese gingen mit altertümlichen Lehrmethoden mit körperlichen Übergriffen und „schwarzer Pädagogik“ einher. „Schwarze Pädagogik“ ist eine von der Publizistin Katharina Rutschky geprägte Bezeichnung, die Erziehungsmethoden, die mit Strafen, Kontrolle, Gewalt und Demütigungen verbunden sind, beschreibt. Davon berichteten auch ehemalige Schüler gegen Ende der Veranstaltung. So wurde von „fliegenden“ Schlüsselbunden, aggressivem Verhalten der Lehrerschaft und entwürdigenden Bemerkungen gesprochen.

Auch der Nationalsozialismus hatte aufgrund der hohen Anzahl an ehemaligen NSDAP-Mitgliedern, zu denen auch der Schulleiter gehörte, einen Einfluss auf die Schule und die Werte, die den Schülern vermittelt wurden. „Die Lehrer haben uns geprägt. Auch wenn sie keine Naziparolen sagten, wurden uns Inhalte unterschwellig mitgegeben“, erzählt einer der Ehemaligen. Dies zeigt, wie stark Schule Menschen für ihr Leben prägen kann – im positiven als auch im negativen Sinne – sodass sich Schüler*innen noch im hohen Alter an Erlebnisse aus ihrer Schulzeit erinnern können. Daher war es sehr beeindruckend zu sehen, welche Emotionen Rothers Erzählungen bei den ehemaligen Schülern ausgelöst haben.

Doch wie haben Lehrer*innen die Nachkriegszeit erlebt?

Ich habe eine ehemalige Lehrerin der Wilhelm-Raabe-Schule, die im Jahr 1954 als Referendarin an der Schule anfing, gefragt, wie sie die Nachkriegszeit dort erlebt hat: Da das Lehrerkollegium ähnlich wie am Johanneum vorwiegend aus älteren Lehrer*innen bestand, stach sie als eine von zwei jungen Lehrerinnen besonders hervor und wurde von den Schüler*innen dankbar empfangen. „Ich habe die Zeit an der Wilhelm-Raabe-Schule als wunderschön empfunden. Ich wurde dort mit offenen Armen aufgenommen und es herrschte ein unglaublich harmonischer Geist, vor allem, da die Schulleiterin sehr großzügig war und uns viele Freiheiten ließ“, berichtete sie mir. Allerdings betonte sie zudem, dass sie nur genau wisse, was in ihrem Klassenzimmer vorgegangen sei und über den Unterrichtsstil ihrer Kollegen eher wenig Bescheid wisse. Zu ehemaligen Parteimitgliedern unter den Lehrern erzählte sie mir: „Mir war bewusst, dass es auch an der Raabe-Schule Lehrer mit nationalsozialistischem Gedankengut gab, allerdings wurden Thesen und Überzeugungen des Nationalsozialismus nicht offen geäußert.“ Außerdem sei der Nationalsozialismus in der Schule, wie auch in der Gesellschaft Deutschlands lange kein Thema gewesen, sodass größtenteils nichts aufgearbeitet und kritisch analysiert worden sei. Dies hänge unter anderem mit dem „Wirtschaftswunder“, also dem steilen wirtschaftlichen Aufstieg in Westdeutschland in den fünfziger Jahren, zusammen, durch das die Beschäftigung mit dem Thema in den Hintergrund gerückt sei.

Der Wandel 

In den 1970ern setzte am Johanneum mit dem Wechsel des Schulleiters von einem ehemaligen NSDAP Mitglied zu einem SPD-Mitglied ein Wandel ein. Auch die Pensionierung der „NS-Generation“, die durch viele jüngere Lehrkräfte, unter denen sich erstmals auch vermehrt Lehrerinnen befanden, ersetzt wurden, habe laut Rother dazu beigetragen, dass „sich das Johanneum einer völlig neuen Zeit hingab“. Heute steht unsere Schule für Vielfalt, Toleranz und Offenheit, und es ist nichts mehr vom Geist der Vergangenheit zu spüren. Trotzdem ist es wichtig, sich mit der NS-Vergangenheit der Schule zu beschäftigen, wozu der Vortrag Rothers einen großen Beitrag geleistet hat.

]]>
https://jojotimes.de/2024/09/25/die-rueckkehr-der-nazi-lehrer/feed/ 0
Ein Interview mit Frau Hossbach https://jojotimes.de/2024/04/17/ein-interview-mit-frau-hossbach/ https://jojotimes.de/2024/04/17/ein-interview-mit-frau-hossbach/#respond Wed, 17 Apr 2024 11:44:21 +0000 https://jojotimes.de/?p=995 Ich habe meine Englischlehrerin interviewt und hier sind die Antworten.

Viel Spaß beim Lesen!

Johanna: Warum sind sie Lehrerin geworden?

Frau Hossbach: Weil ich es schon immer spannend fand, Schüler und Schülerinnen beim Heranwachsen zu begleiten.

Johanna: Unterrichten Sie noch ein anderes Fach als Englisch?

Frau Hossbach: Ja, neben Englisch auch Spanisch.

Johanna: Würden Sie für zwei Millionen Euro aufhören als Lehrerin zu arbeiten?

Frau Hossbach: Ich würde bestimmt weniger arbeiten. Zwinker.

Johanna: Seit wann sind Sie hier am Jojo Lehrerin?

Frau Hossbach: Seit Sommer 2023.

Johanna: Haben Sie schon mal in einem anderssprachigen Land gelebt?

Frau Hossbach: Ja, ich habe schon in Costa Rica, Spanien und in England gelebt. Es war unglaublich spannend.

Johanna: Haben Sie Kinder?

Frau Hossbach: Ja, zwei Kinder, ein und drei Jahre alt.

Johanna: Wie waren Sie in der Schule?

Frau Hossbach: Durchschnittlich bis gut.

Johanna: Was ist Ihr Lieblingsfach?

Frau Hossbach: Englisch.

Johanna: Haben Sie Haustiere?

Frau Hossbach: Nicht mehr, aber als Kind hatte ich ein Kaninchen.

Johanna: Wenn Sie keine Lehrerin wären, was wären Sie dann?

Frau Hossbach: Floristin, Physiotherapeutin oder Zahnärztin.

Von Johanna Brahm

]]>
https://jojotimes.de/2024/04/17/ein-interview-mit-frau-hossbach/feed/ 0
Völkische Siedler – Eine Bedrohung ganz in unserer Nähe? https://jojotimes.de/2024/03/19/voelkische-siedler-eine-bedrohung-ganz-in-unserer-naehe/ https://jojotimes.de/2024/03/19/voelkische-siedler-eine-bedrohung-ganz-in-unserer-naehe/#respond Tue, 19 Mar 2024 11:04:15 +0000 http://jojotimes.de/?p=955
Wolfsangel auf Stein (Foto: Martin Raabe)

Ist euch schon mal so ein merkwürdiges Zeichen (siehe Bild links) aufgefallen, als ihr in den umliegenden Dörfern Lüneburgs unterwegs wart? Es ist die sogenannte Wolfsangel, die häufig auf Findlingen vor den Höfen der völkischen Siedler eingeritzt ist und eines der Zeichen ihrer Bewegung darstellt. Dies ist eine Gruppe mit nationalsozialistischer, rassistischer Gesinnung. Die rechtsextremistischen Familienverbände kaufen im ländlichen Raum alte Höfe auf und versuchen ihre völkische Ideologie in der Dorfgemeinschaft zu verbreiten. Ihr regionaler Schwerpunkt liegt dabei im Großraum Lüneburg-Uelzen-Lüchow-Dannenberg.

Über diese Gruppe informierte Martin Raabe, Pastor und Mitbegründer der Gruppe „beherzt“, einer Gegenbewegung zu den völkischen Siedlern, im Rahmen eines Vortrags Lehrer*innen und Schüler*innen sowie weitere Interessierte. Die Informationsveranstaltung „Völkische Siedler im ländlichen Raum“ des Arbeitskreises Schule des Kriminalpräventionsrates fand am Donnerstag, den 22.02.24, in der gut besetzten Aula des Gymnasiums Johanneum statt.

Wer sind diese völkischen Siedler?

Obwohl sich immer mehr völkische Siedler in den Landkreisen Lüneburg und Uelzen niederlassen, haben viele Menschen noch nie davon gehört. Kein Wunder, denn auf den ersten Blick wirken die Familien wie nette, hilfsbereite Nachbarn, die sich in der Dorfgemeinschaft engagieren. Wenn man allerdings genauer hinschaut, kommt ihre wahre Gesinnung ans Licht: Sie glauben an die völkische Ideologie, wonach man Menschen in Kategorien nach wertvollem und unwertem Leben einteilen könnte, was laut Pastor Martin Raabe auch als „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ bezeichnet werden könne. Zudem vertreten sie die Vorstellung, dass es eine reine deutsche Rasse gäbe, und lehnen die freiheitliche demokratische Grundordnung ab.

Die Gemeinschaften lehnen eine moderne Lebensweise ab, was man unter anderem an ihrem traditionellen Kleidungsstil erkennen kann: Die Frauen tragen meist lange Röcke oder Kleider, die Männer volkstümliche Stoffhosen und Hemden. Sie leben abgeschieden auf dem Land, wo sie ungestört ihre nationalsozialistischen Feste und heidnischen Bräuche abhalten sowie ihre Kinder nach ihren Vorstellungen erziehen und diese schon früh mit dem stereotypen Rollenverständnis von Frau und Mann vertraut machen können. Völkische Jugendgruppen wie der „Sturmvogel“, dessen Vorbild die Hitlerjugend ist, dienen zusätzlich der nationalsozialistischen Erziehung der Heranwachsenden. Und nicht nur innerhalb der völkischen Familienverbände wird die rechtsextreme Einstellung ausgelebt: „Einige dieser scheinbar friedliebenden Nachbarinnen und Nachbarn tauchten im vergangenen Jahr auf Fernsehbildern als Teilnehmende einer Neonazi-Kundgebung auf“, berichtet Martin Raabe. Dies sei nicht die einzige rechte Demonstration, auf der man seine Nachbar*innen wiedersehe.

Die Bewegung der völkischen Siedler bildete sich im Übergang vom 19. ins 20. Jahrhundert und erreichte ihren Höhepunkt in der Zeit des Nationalsozialismus. Heute verbinde das völkische Gedankengut verschiedene Gruppen, z.B. die AfD oder die „Artamanen“ (ein Fantasiewort, das vom Begründer der völkischen Bewegung Willibald Hentschel vor rund 100 Jahren geprägt wurde), die es unterschiedlich ausleben. Einige sind vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft.

„Graswurzelarbeit“

Die völkischen Gemeinschaften verfolgten laut Raabe eine über Jahre angelegte Strategie, mit deren Hilfe sie ihr Gedankengut in der Zivilgesellschaft verbreiten möchten. Dies tun sie meist, indem sie ehrenamtliche Positionen in öffentlichen Institutionen wie Kindergärten, Schulen, Vereinen und sogar der Politik übernehmen. Diese Strategie nenne sich „Graswurzelarbeit“ – eine Entwicklung, die auf keinen Fall unterschätzt werden dürfe.

Zu den Zielen der völkischen Siedler zähle neben der Verbreitung des völkischen Gedankenguts die „Delegitimierung des Staates“. Dieser vom Verfassungsschutz eingeführte Begriff beschreibt die Ablehnung des Rechtsstaats und der Demokratie. Dies werde zum Beispiel durch systematische Verächtlichmachung des demokratischen Staates, seiner Institutionen und seiner Repräsentanten ausgedrückt.

Grund zur Beunruhigung gebe zudem die „Affinität der völkischen Siedler zur Selbstverteidigung, zum Kampfsport und zu Waffen“, meint Raabe. Affinität bedeutet in diesem Fall „Vorliebe“. Eine Vielzahl der an völkischen Gemeinschaften beteiligten Personen besitze Waffenscheine, da sie vor allem im ländlichen Raum Mitglieder von Jagdvereinen seien. Außerdem seien die Fallzahlen der politisch motivierten Kriminalität im Bereich der völkischen Siedler und anderer Vereinigungen, zum Beispiel der Reichsbürger, in den letzten Jahren rapide gestiegen, wie das Landeskriminalamt bestätigt.

Im Widerstand – Die „Kreuze ohne Haken“

Über 500 Personen und Familien haben sich bereits als Betroffene in der Gruppe „beherzt“ zusammengeschlossen, um Widerstand gegen die sich ausbreitende, völkische Szene zu leisten. Dies tun sie zum einen, indem sie andere Menschen informieren, zum Beispiel durch Veranstaltungen wie diese im Johanneum. Zum anderen stellen sie als Zeichen gegen rechte Gesinnung auffällige Kreuze in den Farben rot und gelb vor Höfen, Häusern, Rathäusern, Kirchen und Vereinen auf. Die sogenannten „Kreuze ohne Haken“ zeigen überall dort, wo sie aufgestellt sind, dass dort kein Platz für völkisches Gedankengut ist, sondern Vielfalt und Offenheit der Gesellschaft im Vordergrund stehen.

„Kreuz ohne Haken“ (Foto: Martin Raabe)

Trotz Widerständen und Hass lassen sich die Mitglieder nicht unterkriegen. Denn insbesondere zivilgesellschaftliches Engagement ist wichtig. Die völkischen Siedler in unserer Umgebung werden zwar vom niedersächsischen Verfassungsschutz beobachtet, allerdings agierten die Gruppen vor Ort so vorsichtig und nach außen hin unauffällig, dass dieser keinen Anlass zum Eingreifen habe. Deshalb sollten sich die Bürger laut Raabe zusammenschließen und offen austauschen sowie Aufklärung leisten, sodass der völkischen Szene entgegengewirkt werden kann.

Was kann ich selbst gegen den wachsenden Einfluss der rechten Szene tun?

„Jeder und jede Einzelne sollte wach sein, sich informieren und die Chance wählen zu gehen, wahrnehmen“, ist das Statement, das Martin Raabe abschließend hervorhebt. Selbst wenn man als Jugendliche*r noch nicht wahlberechtigt ist, kann man schon klare Position beziehen, sich gezielt von „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ und rechten Ansichten abgrenzen und seinen Beitrag zu einer vielfältigen, offenen und gerechten Gesellschaft leisten.

]]>
https://jojotimes.de/2024/03/19/voelkische-siedler-eine-bedrohung-ganz-in-unserer-naehe/feed/ 0
Alte und neue Schule https://jojotimes.de/2024/01/25/alte-und-neue-schule/ https://jojotimes.de/2024/01/25/alte-und-neue-schule/#respond Thu, 25 Jan 2024 11:12:59 +0000 https://jojotimes.de/?p=817 Hallo, ich bin Marian und bin in der 5f. Ich bin aufs Jojo gegangen, weil es mich angelächelt hat: am Präsentationstag habe ich viele nette Lehrer und Schüler kennengelernt. Besonders schön fand ich die Kunsträume und die vielen dort ausgestellten Kunstwerke. Außerdem sind ein paar meiner Freunde von der Grundschule auch aufs Johanneum gegangen.

Grundschule im Roten Felde

Vorher war ich an der Grundschule im Roten Felde, dort war der meiste Unterricht im Klassenraum und wir mussten nicht so viel im Gebäude herumlaufen, um von einem Raum zum nächsten zu kommen und daher mussten wir nicht so häufig den Raum aufräumen und das fand ich etwas gemütlicher und hier ist es etwas stressiger und man kommt manchmal zu spät.

Schulhof der Grundschule im Roten Felde

Ich finde es toll am Jojo, aber ich vermisse die alte Schule sehr, auch meine Freunde fehlen mir, diese Freunde sind jetzt an anderen Schulen in Lüneburg und ich treffe mich noch häufig mit Ihnen. Besser finde ich am Jojo aber, dass der Pausenhof größer ist und die Geräte sind auch ein bisschen größer. Ich finde die Mensa ebenfalls ein bisschen schöner wegen der Mosaike und es ist sauberer, das Essen ist selbst gekocht, dass finde ich toll. Am besten fand ich das Probeessen am Anfang: Es gab eine große Kartoffel, mit Käse überbacken mit Tzatziki und Brokkoli. Beim Kiosk finde ich gut, dass man sich etwas Kleines in den Bauch braucht, auch Pausen ein wenig kurz sind.

Neu für mich sind die vielen Container und die vielen Menschen. Wenn man auf der Grundschule groß war (in der 4) ist man dann am Gymnasium in der 5. wieder ganz klein.

]]>
https://jojotimes.de/2024/01/25/alte-und-neue-schule/feed/ 0
Ohne den vorne links geht´s nicht https://jojotimes.de/2024/01/20/ohne-den-vorne-links-gehts-nicht/ https://jojotimes.de/2024/01/20/ohne-den-vorne-links-gehts-nicht/#respond Sat, 20 Jan 2024 11:15:16 +0000 http://jojotimes.de/?p=782 Ein Kommentar zu Lüneburgs Busverkehr

Für viele ist es eine alltägliche Situation. Morgens geht man zur Bushaltestelle, wo man auf den Bus wartet, der einen zur Schule bringt. So weit, so unspektakulär.

Doch stelle man sich einmal vor, man würde nicht als Fahrgast mit dem Bus zur Schule fahren, sondern den Bus selbst fahren. Man müsste vielleicht nicht um 6 Uhr morgens aufstehen, sondern um 3 Uhr oder 4 Uhr. Häufig hätte man nicht um 13:20 Uhr, sondern erst um 15 Uhr, 16 Uhr oder 17 Uhr„Feierabend“. Und das trotz des frühen Anfangs um circa 4 bis 5 Uhr morgens.


„Solche Arbeitsbedingungen machen krank.“

Wer sich jetzt denkt: „Ja, aber die kriegen ja auch Geld dafür“, dem sei gesagt: Ja, sie kriegen Geld dafür. Aber nur so viel, dass sie gerade so über die Runden kommen. Zwar darf die Arbeitszeit formal die neun Stunden nicht überschreiten, allerdings geht es hier um die Lenkzeit am Stück, der ganze Arbeitstag ist oft noch länger. Solche Arbeitsbedingungen machen krank. Genau dieses Phänomen kann man zurzeit im Landkreis Lüneburg beobachten. Jeder hat sich wohl schon mal gewundert, warum der Bus nicht kam – in Lüneburg fallen an Wochentagen nicht selten zwischen 60 und 100 Busfahrten pro Tag aus, weil Stellen entweder komplett unbesetzt sind oder Fahrer wegen Krankheit fehlen. Das ist für den Fahrgast selbstverständlich mehr als ärgerlich, aber wer möchte diesen Beruf noch ausüben?


Im Zuge des Klimaschutzes wird häufig gefordert, doch vom Auto auf den ÖPNV umzusteigen. Doch wie soll das möglich sein, ohne Fahrer? Dort ist die Politik nun gefordert – der Beruf des Busfahrers muss attraktiver gestaltet werden. Moderne Fahrzeuge, keine Dienste mit einer Länge von mehr als 9 Stunden und keine sogenannten „geteilten Dienste“, wo man meistens vormittags circa 3 bis 4 Stunden unbezahlte Pause hat.
Verspätungen sorgen im Busverkehr ebenfalls für Ärgernisse. Hierfür gibt es verschiedene Ursachen, z.B. Staus, Umleitungen oder auch einfach zu knapp bemessene Fahrzeiten. In den meisten Fällen können aber die Fahrer nichts dafür. Was soll man machen, wenn man im Stau steht?


„Wie soll das zusammenpassen?“

Ein weiteres Thema im Busverkehr des Landkreises Lüneburg sind auch die neuen, für viele Fahrgäste unattraktiven Fahrpläne des Stadtverkehrs. Wenn man früher vom Kreideberg zum Johanneum wollte, musste man einfach nur mit der 5014 fahren. Heute muss ein knapp bemessener Umstieg an der Haltestelle Bahnhof oder am Sande erfolgen. Paradox ist in Lüneburg die Anbindung der Innenstadt. Die Stadt versucht, so viele Autos wie möglich von der Innenstadt fernzuhalten. Im Gegenzug lässt sie viele Linien aber nicht mehr den Markt, sondern nur noch den Platz am Sande anfahren. Wie soll das zusammenpassen?


Die Mängel im Überland

Noch weitreichender sind die Mängel im Bereich des Überlands. Auch von hier kommt man nicht sonderlich gut in die Stadt. Die meisten Überlandlinien halten seit nunmehr 3,5 Jahren nur noch am Bahnhof, nicht am Sande. Während zwischen Lüneburg und den größeren Ortschaften wie Bleckede, Dahlenburg und Amelinghausen zwischen 6 und 20 Uhr der Bus fast stündlich fährt, können Bewohner des Hinterlandes, wie zum Beispiel Bohndorf (bei Dahlenburg) oder Tellmer (bei Amelinghausen) nur den Schulbus morgens oder den Rufbus nutzen. Problem hierbei ist, dass die Schulbusse oftmals keinen Anschluss nach Lüneburg bieten. Auch muss der Rufbus mindestens eine Stunde vor Abfahrt bestellt werden, er ist also nicht besonders flexibel.
Außerdem sind die Reisezeiten morgens von den kleinen Dörfern exorbitant hoch.


Die Schulbusse
Ein Beispiel: Ein Schüler des Johanneums wohnt in Moisling, einem Ortsteil der Gemeinde Nahrendorf in der Nähe der Elbe. Der erste und vorletzte Bus des Tages fährt um 07:02 Uhr nach Bleckede zum Schulzentrum, wo man um 07:28 Uhr ankommt. Man bedenke, dass in 32 Minuten der Unterricht beginnt. Vom Schulzentrum aus muss man nun erstmal zur Bushaltestelle „Lüneburger Straße“ in Bleckede laufen, von wo aus man um 07:49 Uhr mit dem Bus nach Lüneburg fahren kann. Hier erreicht man um 08:16 Uhr die Haltestelle Gellersstraße. Wählte man diesen Reiseweg, würde man täglich ungefähr 20 Minuten zu spät zum Unterricht erscheinen. Die einzige Möglichkeit, pünktlich zu kommen, wäre irgendwie von Moislingen nach Ventschau, der Nachbarortschaft, zu kommen, von wo aus man mit der 5300 pünktlich
nach Lüneburg fahren könnte. Man sieht, der Schüler- bzw. Linienverkehr reibt an vielen Stellen und muss überarbeitet werden.


„Die Politik muss in die Verantwortung gezogen werden“

Abschließend lässt sich sagen, dass selbstverständlich nicht alles im ÖPNV schlecht ist. Wir in Lüneburg haben schon einen ganz gut ausgebauten Personennahverkehr, trotzdem gibt es an einigen Stellen Probleme. Um sie zu lösen, muss die Politik in die Verantwortung gezogen werden, denn der Landkreis bzw. die Stadt erstellt die Fahrpläne und plant, wo wann ein Bus fährt. Wie bereits erwähnt, muss auch das „Busfahrer-Problem“ an die Politik weitergetragen werden. So geht es auf jeden Fall nicht weiter.
Falls ihr vor eurer nächsten Busfahrt wissen wollt, ob euer Bus ausfällt, könnt ihr unter folgendem Link eine Liste mit allen ausfallenden Fahrten finden:


https://www.kvg-bus.de/aktuelles/fahrtausfaelle/lueneburg/

Anton Fürniß

]]>
https://jojotimes.de/2024/01/20/ohne-den-vorne-links-gehts-nicht/feed/ 0